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Eine fremde Welt – Brief 1

Mai 27, 2013

Liebste Bäckerin,

nun bin ich schon geraume Zeit verschwunden und möchte es doch nicht versäumen, Dir diese Zeilen zu senden.
Ich bin hier in einer fremden, seltsamen Welt, um mich sind Wesen mit Namen, wie man sie noch nie zuvor hörte, wie ich in diese Welt kam, berichte ich später einmal, heute sollen nur meine ersten Eindrücke Dich erreichen.
Denk Dir, es gibt hier die komischsten Regeln, man spricht zum Beispiel ausnahmslos in kurzen Sentenzen und sie nennen es zwitschern, jeder hier hat ein Gefolge und ist Teil von etwelchen Gefolgen, hinter vorgehaltener Hand nennen sie die mit den großen Gefolgen Elite, aber ich blicke da nicht durch, warum und weshalb, was ist schon elitär daran, wenn einem viele tausend Wesen anhängen, das Gegenteil scheint mir weit eher elitär, jedoch das nur am Rande, manche mögen es gar nicht, wenn man sie anspricht, die geben sich dann so, als hätten sie dich nicht gehört und was man hier sagt, wird mit gelben Sternen bewertet, kein Witz, ich lüge Dich nicht an, meine Schöne, je mehr Sterne, desto … ja was desto, weiss ich noch nicht und viele nehmen das Gesagt und leiten es mit dem Namen dessen, der es sagte, weiter, die Namen der Wesen kannst Du Dir nicht ausdenken, hier gibt es einen arschhaarzopf (ja, Du hast richtig gelesen!) und eine Zarenfrau, einen Mann vom Balkon, eine Frau Bunte Knete, einen Einstueckkaese, eine Troedelkatze, einen Bohm – ich könnte noch tausend Namen nennen und werde Dir auch in den nächsten Briefen viele von hier vorstellen, es sind alles ziemlich freie Geister, man biegt die Moral, bis sie bricht, man ist gegen Regierungen und Kirche, man lacht über dicke und dünne Wesen, man ist wirklich locker hier, aber weh dem, der das, was mal einer irgendwann sagte in dieser Welt, nimmt, es in genau den Worten ebenfalls sagt und sich so verhält, als seien es seine Worte, dann stellt man hier die heilig Inquisition nach, da wird geschimpft und mit Fingern gezeigt und geblockt (wo die, die man geblockt hat, hinkommen, habe ich noch nicht rausgefunden), dieses Verbrechen nennen sie hier Tweetklau, wie Du siehst, geht es hoch her, aber ich vermute ja, dass die hier unsere Welt kennen, vielleicht beobachten sie unsere Welt schon länger und planen da was, vielleicht bin ich hierher geschickt worden, um diese Wesen zu erforschen, es ist eine fremde, seltsame Welt, in der sie leben … und was passiert mit mir, wenn ich entdeckt werde von denen, es gibt hier ein Ritual, das nennt sich #ff, ich muss vorsichtig sein, zu einigen habe ich Vertrauen gefasst, andere hingegen sind mir noch unheimlich, meine Teuerste, ich werde Dir weiterhin berichten, für heute waren das meine ersten Eindrücke, späterhin mehr von hier.
Heute ist Montag, da sind hier alle noch hoffnungsloser als sonst.
Nun muss ich aber wieder los, ich muss mich unter die Wesen mischen und zwitschern – die zwitschern hier alle – sonst falle ich noch auf.

Bis dann – und (ich versuche es mal, gleichwohl ich dergleichen nicht sonderlich gut kann):
Du fehlst mir, weil ich Dich … (na, beim nächsten Mal klappt es vielleicht),
Dein N.

P.S.: Bitte grüße Deine Mutter und Deinen Vater von mir und vergiss mich nicht gleich.

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One Comment
  1. ein schöner brief. und endlich habe ich dieses twitter verstanden.

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