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So ein Novembertag

November 3, 2012

Der Monat war schon erheblich fortgeschritten, was aber nicht von Bedeutung für unsere kleine Geschichte ist, was natürlich mächtiger Blödsinn genannt werden darf, denn alles hat seine Bedeutung und man muss nur die Augen auftun, aber davon soll heute nicht die Rede gehen, ich hätte zudem besser damit begonnen: „An einem 29. November vor nicht gar so vielen Jahren trug sich Nachfolgendes zu.“ – da jedoch der Anfang gemacht wurde, wie er zu lesen steht, wollen wir nicht murren und versuchen besser fortzufahren, als wir begonnen haben; es lag Schnee, den braucht man, sonst ist die Szene nicht genug einsam, kalt war es sehr, das sah man an den roten Nasen und Ohren all der Menschen, die freilich nicht im Widerspruch zur eben erwähnten Einsamkeit stehen, darauf nun näher einzugehen, es ins Weite und Breite zu klären, hieße, philosophisch zu werden, ja werden zu müssen – und das hinwiederum ließe den Fluss der Erzählung, welcher zum augenblicklichen Zeitpunkt noch nicht so eindeutig erkennbar ist, stocken lassen, also halten wir es bloß linkerhand fest, dass die Einsamkeit inmitten der Menschen wenigstens für unsere Geschichte hier möglich erscheint; wo waren wir stehen geblieben, könnte ich jetzt fragen, wären wir nur schon losgelaufen, womit wir aber nun wirklich beginnen wollen, dieses Verharren noch immer im 1. Satz hat ja durchaus etwas Eigenwilliges, da schiebt einer die Worte kreuz und quer durch die Geschichte, ohne sich recht auf den Weg zu machen, aber das hat ein Ende: 29.11., Schnee, Kälte, ein einsamer Mensch, viele Menschen mit roten Ohren und Nasen und (und das füge ich nun bei) eine große Stadt, das alles sind prächtige Zutaten, die ein guter Koch in eine schmackhafte Erzählung verwandeln könnte, nun bin ich eher kein Mann des Kochens, meine Nahrung ereilt mich gern fix und fertig in Form alter Romane, verzwickter Philosophiewerke oder klangvoller Gedichte, allein, wir lassen die Hoffnung nicht fahren, dass unsere kleine Geschichte doch noch in Gang kommt; wie ich also inmitten der großen Stadt, der Schnee glitt vom Himmel, als wolle da wer eine Probe Sanftmut abliefern, stand und dem Treiben all der Menschen, deren Hektik den Gegensatz zu meinem Stillstand bildet, zusah, dachte ich so bei mir (was nicht mehr als eine verliebte Wortspielerei ist, wo sonst, wenn nicht bei mir sollte ich wohl gedacht haben): ‚Schau an, die Menschen haben rote Ohren und Nasen, so kalt ist es schon und wir haben noch nicht mal Dezember, na ja, es fällt ja auch tüchtig Schnee vom Himmel, da kann das schon passieren!‘, dann lief ich heim und achtete nicht weiter auf die anderen Menschen, so war das damals im November vor etlichen Jahren – ich finde, diese Geschichte musste erzählt werden, es wurde auch kein Detail ausgelassen, damit der Leser sich ein Bild machen kann, wie so ein Novembertag doch reich an Erlebnissen ist.

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