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Meine Geschichte

Juni 23, 2012

DIE MUTTER DER BÄCKERIN: Wo kommen Sie eigentlich her?

ICH: Ich wohne gleich da drüben.

DIE MUTTER DER BÄCKERIN: Bürschchen, ich meine das ganz anders – und Sie wissen das auch, also, einen ausführlichen Bericht oder es rappelt im Karton.

ICH: Meine Eltern lebten als Blumenkinder in Australien, sie aßen Pilze, rauchten sehr viel und lasen „Grashalme“, meine Mutter trug mich in ein Tuch gewickelt stets bei sich, eines schönen Tages zogen die Blumenkinder weiter, nur meine Eltern waren so fürsorglich und entschieden, dass es für ein kleines Kind nicht gut sei, ein solch unstetes Leben zu führen, da kam ein Känguru vorbei, dem steckten sie mich kurzerhand in den Beutel, das war das letzte Mal, dass ich meine Eltern sah, im Beutel des Kängurus war es warm, wir sprangen durch die Gegend und ich war behütet und frei, doch als ich dem Känguru zu schwer wurde, warf es mich einfach aus dem Beutel und so lag ich mitten in Australien rum und dachte: ’na, toll – so richtig rund läuft das aber auch nicht mit Deinem Leben‘, plötzlich verdunkelte sich der Himmel und tausende Wellensittiche schwärmten über mir, sie griffen mich mit ihren Krallen ganz sanft und flogen davon, anfangs hatte ich meine Bedenken, aber die Wellensittiche ließen mich nicht fallen, sie fütterten und putzen mich und ich lernte, die Welt von oben kennen, kurze Zeit später, wir waren an einem See, all die Vögel und ich badeten und unser Gefieder war nass und schwer, wurden wir von Vogelfängern überrumpelt, sie schmissen ein riesiges Netz über uns und verschleppten uns in ein Flugzeug, wir hoben ab und nahmen Kurs auf Europa, ganz klar, das Wetter wurde schlechter, Sturm und Gewitter setzten uns zu, die Maschine geriet ins Straucheln und wir stürzten in ein Meer hinein, die Wellensittiche flogen alle weg und vergaßen mich vor lauter Aufregung, ich war unterdessen in eine Kühlbox geklettert, in der schwamm ich nun wie in einem kleinen Boot über die Meere, aber es kam, was kommen musste, ein hungriger Wal sah mich und dachte wohl ‚oh, ein gekühlter Snack‘, er verschluckte mich und die Box am Stück und ich landete im Bauch des Wals, da trieb ich nun durch den Ozean, hatte es warm und behaglich und begann, mein Leben zu lieben, eines Morgens wurde der Wal von einem Giftpfeil getroffen und mit einem Kran auf das Schiff von bösen Menschen gezogen, diese öffneten den toten Wal sehr geschickt und ich sprang unversehrt heraus, sie ließen mich in Ruhe und setzten ihre Reise fort, dann kam die Eiszeit, es wurde so kalt, das die Weltmeere vereisten und das Schiff stecken blieb, hunderte von Robben fielen über das wehrlose Schiff her und plünderten es, das Robben so sind, wusste ich nicht, sie nahmen mich mit, ich sollte ihr Haustier werden und für sie singen, da ich aber nur ein Gemisch aus Wellensittichgezwitscher und Walgesängen beherrschte, ließen sie mich genervt allein zurück, inzwischen war ich älter geworden, konnte gut laufen und allerlei Gesichter ziehen, ich machte mich auf den Weg und lief und lief, bald war ich so müde, dass ich mich auf die kalte Erde legte und schlief, ich schneite innert kürzester Zeit ein, geriet in Panik und schrie, zu meinem Glück kam ein Maulwuf vorbei, hörte mich und buddelte mich frei, das erschöpfte ihn aber derart, dass er sein Leben ließ und verstarb, da weinte ich viele Tage lang heiße Tränen, sie fielen zu Boden, die Erde taute wieder auf, mindestens ein neues Zeitalter begann und wie das Eis so verschwand, sah ich, dass ich mich in einer Stadt in NRW befand, ein alter Mann, den ich später Großvater nannte, nahm mich zu sich, er lebte in einer Bibliothek, dort wuchs ich auf und er brachte mir alles bei, als er starb, nahm ich die vielen tausend Bücher, zog in ein Haus am Rhein und sah mich gezwungen, für mich selbst zu sorgen, in einem Antiquariat verkaufte ich eine alte Ausgabe von „Oliver Twist“, mit dem Erlös ging ich in eine Bäckerei und erblickte den schönsten Menschen der Welt, seither komme ich nun jeden Morgen zu Ihrer Tochter in den Laden und erlebe glückliche Momente.
So, nun kennen Sie meine Geschichte. Nicht wahr, sie glauben mir doch, oder?

DIE MUTTER DER BÄCKERIN: Jedes einzelne Wort, mein Sohn, jedes einzelne Wort.

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3 Kommentare
  1. Mir fehlen die Worte…

  2. Nur sechs Sätze. Ich bin sprachlos.

  3. gedankenfarben permalink

    <3….Treffer… 🙂

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