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Ein Familiengedicht

März 6, 2012

Sie wollten doch ein Mädchen.
Schrecklich, diese Enttäuschung.
Nur Vorwurf, kein Platz für Güte.
Ihre Augen blickten so böse.
Ihre Lippen waren so schmal.
Für Berührung der Abstand zu groß.
Sie schlugen ihn nicht einmal.
Er wurde stets gut gekleidet.
War sauber – adrett frisiert.
Im Tierpark gab es Eis.
Gestritten wurde hinter der Tür.
Vater nickte dann.
Wenn was nicht ging, wurde es laut.

Wir überlegen schon, dich ins Heim zu geben.
Sei still, wenn ich rede.
Du hörst doch, was deine Mutter sagt.
Wenn Andere schlecht von uns denken, dann ist das deine Schuld.
Sei froh, dass du uns hast.
Los.
Du warst schon immer seltsam.
Geh doch mal raus, mit Freunden spielen.
Ein Junge in deinem Alter.
Für unseren Sohn würden wir alles tun, das können sie aber wissen.
Dem Jungen fehlt es an nichts.
Als ich in deinem Alter war.
Klappt doch.
Geht doch.
Na, also.
Ach, mach doch, was du willst.
Aus dem Jungen ist was geworden.
Der wohnt jetzt in der Stadt.

Wie soll man denn mit Menschen sprechen, ohne dass die den Satz beenden?
Wie soll man denn tapfer sein?
Wie soll man denn nicht die Einsamkeit lieben?
Wie soll man denn je zu sich stehen?

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