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Jean Genet

Februar 19, 2012

Das erste Buch von Jean Genet, welches ich las, war der Roman „Tagebuch eines Diebes“, ich wurde neugierig gemacht, da ich erfuhr, dass dieses Werk neben den Büchern „Entweder – Oder“ von Sören Kierkegaard und „Ecce Homo“ von Friedrich Nietzsche als offenherziges Zeugnis der Selbstdarstellung gilt, ehedem war ich genug jung für derlei Schlingen.

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Es war, zumal mich die Lektüre dieses Romans dahin bracht, nach Beendigung der letzten Seite zur ersten zu blättern und ihn erneut zu lesen, beschlossene Sache, weitere Bücher des Dichters (und selten trifft der Terminus Dichter besser zu) Jean Genet zu erwerben, so kaufte ich „Notre-Dame-des-Fleurs“

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und „Querelle“

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hinzu.

Jean Genet lebte (und wie!!!) von 1910 bis 1986, mit 15 steckte man ihn in eine sogenannte Besserungsanstalt, diese floh er, schlug sich als Vagabund durch, bot sich feil, war Dieb, Verräter, wurde aus fünf Ländern gejagt, war zwischen 1937 und 1943 dreizehnmal zu Gefängnis verurteilt und weilte hier und da unter fünfzehn verschiedenen Namen.

In seinen Werken umflort er das Verbrechen und den Verbrecher mit dergestalt lyrischen Sätzen, wie ich sie bis dahin (und ich lese um mein Leben!) nie gekannt habe, seinen Roman „Notre-Dame-des-Fleurs“ widmete er einem Mörder: „Ohne Maurice Pilorge, dessen Tod mir noch immer das Leben vergällt, hätte ich dieses Buch niemals geschrieben. Ich widme es seinem Gedächtnis.“ steht da zu lesen. Seinen Roman „Tagebuch eines Diebes“ widmete er Satre, dem er viel zu verdanken hatte.
Man kommt, so man mit einem fühlenden Herzen begabt ist, nicht ohne Ekel durch das Werk Genets, zuweilen möchte man sich schämen dafür, dass man das Böse und Ekle dergestalt begierig verschlingt, er beschreibt den Speichel eines Luden, als schildere er uns guten Wein, er verherrlicht den Verrat, und lässt uns die Gemütsergetzung wissen, jene ihn heimsuchte, als er die Traurigkeit dessen, der verraten wurde, gewahrte, er besingt die Verdorbenheit, doch lesen Sie selbst: „Habe ich einen Sträfling – oder einen Verbrecher – darzustellen, so schmücke ich ihn mit so vielen Blumen, dass er selbst zwischen ihnen untertaucht und als andersgeartete, übergroße Blume neu ersteht. Aus Liebe zum sogenannten Bösen suchte ich das Abenteuer, und es brachte mich ins Gefängnis.“ (Tagebuch eines Diebes)

Wenn auch Sie auf der Suche nach einem Abenteuer sind (mit allem, was ein Abenteuer ausmacht: Schrecken, Angst, Glückseligkeit) dann empfehle ich Ihnen das Leseabenteuer Jean Genet.

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2 Kommentare
  1. Das macht mich nun auch neugierig. Ich kannte zwar den Namen, habe aber noch nichts von Jean Genet gelesen. Erinnere mich zugleich an eine Anekdote, als ein wirklich psychisch gestörter, hinterhältiger und fieser Autor, der mich bedrängte, vereinnahmte und bedrückte, mir, als wir von Hemingway sprachen, mitteilte, dass er es verabscheut, Bücher von „psychisch kranken“ Autoren, wie er es nannte, zu lesen… Ich will jetzt diese Bücher von Genet lesen.

  2. derverstecktepoet permalink

    Reblogged this on Sehnsuchtspendler and commented:
    Jean Genet,,,lesenlesenlesen,,,wahrlichabenteuer

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