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Neulich bei Starbucks

Februar 18, 2012

Letzthin begegnete mir eine Frau, die – und das passiert sonst nie – mich ansprach.

Sie habe mich so dasitzen sehen, mit diesem Buch und dem Kaffee und dass sie auch lese und überhaupt Bücher ihr Leben seien und man finde nur selten einen Menschen, dem es ebenso gehe und erst neulich wieder sei sie sich ihrer Einsamkeit bewusst geworden und …  und so weiter – sie plapperte und plapperte ohne Unterlass.

Als ich sie bat, mir doch meine Ruhe zu lassen, mit den Worten:
„Ich ästimiere Ihren Feuereifer sehr, nur bitte gehen  Sie jetzt, ich muss das hier“, an der Stelle hielt ich ihr mein Buch dicht vors Gesicht, „unbedingt noch heute fertig lesen.“ – befremdete sie das arg, ganz sacht begann ihre Unterlippe zu zittern, schon liefen Tränen und sie weinte so steinerweichend ihre Pausbäckchen nass, dass mich mein altes Laster Mitleid einholte. Ich gab ihr mein Einstecktuch, mit dem sie ihre Tränen trocknete und es mir wieder reichte – da saß sie nun, das Gesicht verschmiert und blickte mich an. Ich hielt es für meine Pflicht, sie nach ihrer momentanen Lektüre zu befragen – und als hätte ich auf Erden nicht schon genugsam gelitten, gab sie mir Bericht davon, dass sie ja nicht nur lese sondern auch schreibe, nun war ich richtig im Arsch, sie zog ein Notizbuch hervor und begann, mir ihre selbstgeschriebenen Gedichte vorzulesen:

„Wenn Liebe nur ein Traum noch ist,
Und Seelen trunkend taumeln,
Wenn Herzen einsam Kreise ziehn,
Und Träume ewig schweigen,
Wenn Sehnsucht nur ein Wort noch ist,
Und …“

(Ich schätze Sie, verehrte Leser, zu hoch, darum belasse ich es bei jener kleinen Kostprobe dieser lyrischen Schmach.)

So lehnte ich mich zurück und lauschte den Versen dieser Nachfeierabenddichterin, ich schloss die Augen und übte in Gedanken einen neuen grimmigen Blick, denn ich machte ja eben durch, was mir meine teilnahmslose, ausdrucksarme Mimik eintrug, mittenmang warf ich einige Hülsen ein:
„Oh. Guu. Hmm. Sachbloß.“
Irgendwann legte sie ihre gesammelten Werke beiseite.

„Und, hätten Sie nicht Lust, recht bald mal mit mir ein Glas Wein trinken zu gehen?“
Mir – blieb das Herz fast stehen, ich war mir nicht sicher, ob ich gehört hatte, was ich gehört hatte, wurde sehr nervös und atmete zerebral …

„Ja, gern“, antwortete sie.

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2 Kommentare
  1. muellermanfred permalink

    Das war nich’ kluch …

  2. So lange, so lange schreibst du nichts mehr Neues. Da muss ich eben anfangen das Archiv zu durchwühlen. Ich bin gespannt, ob du noch berichtet hast, wie der Wein mit der Feierabenddichterin war.

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