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Das Starbucks-Mädchen

Februar 18, 2012

Ein wenig sicher war ich, weil es bereits dunkelte, als sie zur Verabredung erschien, sie duftete so zart, dass ich mir wünschte, meine Nase ruhe an ihrem Hals, dass sie nicht schlank war, fand ich schön, sie trug blickdichte schwarze Strumpfhosen, flache schwarze Schuhe und ein schlaues Lächeln.

Im Lokal waren recht viele Menschen, wir fanden aber einen freien Tisch, der war fast in der Mitte des Raumes – denken Sie sich nur, sie war es, welche frug, ob wir nicht auch etwas essen sollten, wir bestellten „Falschen Hasen“, Kartoffelbrei, Erbsen, dunkle Soße, warme Waffeln mit Eis … und statt Wein tranken wir Altbier – bitte glauben Sie mir, weniges im Leben ist wundervoller, als mit einer drallen, bezaubernden Frau beim ersten Kennenlernen Falschen Hasen zu essen …

Sie dankte mir ein ums andere Mal dafür, dass ich mir bei unserer Starbucks-Begegnung ihre Gedichte angehört hatte, ihr sei das im Nachhinein schrecklich peinlich gewesen, sie habe sich nur geschämt dafür, ich erzählte ihr aber, wie sehr diese Aktion mir Eindruck gemacht hatte und berichtete, dass ich sogar von ihr geträumt habe, sie sei eine Schauspielerin in einem verfallen Theater gewesen und habe da in einem Zweipersonenstück mitgewirkt, den ganzen Traum gab ich ihr preis, auch wie ich inmitten der Vorstellung den Saal verließ.
Sie lachte mit vollem Mund, trank ein halbes Glas Altbier leer und tat mir noch vom Kartoffelbrei auf. Am Zeige- und am Mittelfinger ihrer rechten Hand fehlten die Fingerkuppen, gleichwohl ich vortäuschte, dies nicht zu bemerken, sagte sie: „Nicht heute.“ und berichtete mir, dass sie ein Antiquariat besitze: „Das ist noch von meinem Großvater, er starb vor vier Jahren und seither betreibe ich es“, so plauderten wir über das einzig Wichtige in dieser Welt – Bücher, wohlriechende alte Bücher.
Darf ich Ihnen eine Idee davon geben, wie sehr wir zwei uns freuten, als klar wurde, dass uns eine bedingungslose Liebe für das Werk von Jean Paul eint, da lernt man eine dralle Schönheit kennen, isst gemeinsam Falschen Hasen, trinkt zusammen viele Gläser Altbier und schwärmt karfunkelaügig von Jean Paul — viel mehr geht nicht, zumal auf Erden …

Es war bereits tiefe Nacht und ein leichter Regen hatte eingesetzt, als wir vor dem Lokal voneinander Abschied nahmen, wie lange man Schweigen kann, ganz ohne betreten zu werden, weiss ich erst seither, als ich dann beide Hände von ihr hielt, fühlte ich, dass sie an ihrer linken Hand gar keine Fingerkuppen hatte, sie umarmte mich und ich sog ihren Duft tief in mich … als sie weg war, wünschte ich mir so, ich hätte ihre Augen geküsst.

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One Comment
  1. Endlich weiß ich um den Fortgang der Geschichte. Danke!

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